Weißenhof-Stuhl

Ludwig Mies van der Rohe, 1926/1927

 

Der Stuhl wurde erstmals 1926 bei der Eröffnung der Weißenhofsiedlung in Stuttgart vorgestellt. Mies van der Rohe wurde vom formalen Ansatz der Studien inspiriert, die Mart Stam zu dieser Zeit mit Gasrohrleitungen durchführte. Allerdings empfand er Stams Ergebnisse als ästhetisch wenig ansprechend. „Hässlich, so was Hässliches mit diesen Muffen. Wenn er wenigstens abgerundet hätte – so wäre es schöner“. Buchstäblich mit einem Federstrich schuf er dann seine Version eines hinterbeinlosen Stuhls. Anders als Stams Entwürfe, ist der ursprünglich als MR 10 bzw. MR 20 bezeichnete Stuhl geprägt von weit ausladenden, eleganten und runden Formen. Zudem machte sich Mies van der Rohe als erster den federnden Effekt des auskragenden Gestells zunutze, um den Sitzkomfort zu erhöhen. Somit kann der MR10 als erster Freischwinger der Geschichte bezeichnet werden. Lily Reich schuf das typische Naturgeflecht für den Stuhl. Heute produzieren die Firmen Thonet (S533) und Tecta (B42/D42) den Stuhl in unterschiedlichen Versionen.

 

Stuhl MR10, Thonet/Tecta Preis ab 965,- EUR*

 

*Stand Dez. 2018 - Änderungen und Irrtümer vorbehalten

Quelle: Thonet GmbH

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969)

 

Ludwig Mies van der Rohe war von 1930-1933 dritter und letzter Direktor des Bauhauses und einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Er gilt als einer der Großmeister des „Internationalen Stils“. So finden sich in van der Rohes Lebenswerk einige der wegweisendsten Bauwerke der Architekturgeschichte, wie etwa die Villa Tugendhat im mährischen Brünn (1930), das Farnsworth House in Illinois (1951) oder das Seagram Building in New York (1958).

Seine Möbel entstanden stets im Kontext seiner architektonischen Tätigkeit, so wie der Barcelona Chair für den deutsche Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona (1928) oder der Weißenhof-Stuhl für die gleichnamige Siedlung in Stuttgart. Van der Rohe arbeitete eng mit der ebenfalls am Bauhaus tätigen Innenarchitektin Lilly Reich zusammen. Insbesondere bei seinen Möbelentwürfen ist ihr Beitrag nicht zu vernachlässigen.

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